Tränenreicher Abschied von Pfarrer Wolfgang Plaga
Das "wandelnde Lexikon", der Psychologe, Reiseleiter und Tröster, der Pfarrer des Elsetals, ging gestern
in den Ruhestand und wurde gebührend verabschiedet
Es war seine erste Kirchengemeinde, es war eine echte Herausforderung. Pfarrer Wolfgang Plaga kam frisch von der Universität
und hatte keinerlei praktische Erfahrungen, als er vor rund 29 Jahren nach Plettenberg kam. Er wurde dann nicht nur Pfarrer der
Martin-Luther-Kirche, sondern auch ein Freund und geschätzter Mitbürger der Plettenberger. Bewegte Zeiten liegen hinter ihm, die gestern in
einer tränenreichen Verabschiedung endeten.
Von Marit Filger
Gemeindemitglieder, Freunde und Bekannte aus dem Märkischen und Olper Kreis bedankten sich
für all' die Jahre, in denen Wolfgang Plaga jeden einzelnen persönlich begleitete, und erinnerten sich an das Wirken eines
Mannes, der Plettenberg glücklicherweise trotz seines Ruhestandes erhalten bleiben wird. Ein feierlicher Gottesdienst bot am
Sonntagnachmittag den Auftakt der Verabschiedung, in dem Pfarrer Rainer Schulz betonte, dass eine Feier zu Ehren Gottes nicht bedeutet, dass die
Menschen beiseite gestellt werden.
"Es ist Advent, der 2. Adventssonntag, genau wie vor 29 Jahren" Pfarrer Wolfgang Plaga
Wolfgang Plaga trat besonders durch seine zentrale Predigt in den Vordergrund. "Es ist Advent, der
zweite Adventssonntag, genau wie vor 29 Jahren", sagt er und sieht in der Adventszeit das Kommen Gottes durch
Jesus Christus in unsere Welt. "Es ist zu unterscheiden, was Zukunft hat und zwischen dem Herrn, der Zukunft ist", stellt er
aus dem biblischen Predigttext aus Lukas 21 heraus. Denn in der Zeit von unberechenbaren Geschehnissen, die Hoffnungslosigkeit,
Risikofreudigkeit oder Angst wecken, gebe es vieles, was gegen eine Zukunft des Glaubens spreche. Aber dass Gott, der Herr des
Lebens, die Angst vor der Zukunft nimmt, habe ihn in all' seinen Dienstjahren stets begleitet, sagte Wolfgang Plaga, als er am
10. August des Jahres 1980 in die Pfarrstelle in Holthausen eingeführt wurde, ebenso wie heute.
Wolfgang Plaga erinnerte in seiner Predigt am gestrigen Sonntag an das Gemeindeleben, in dem er sich jeder Aufgabe
stellte, auch wenn es nicht immer leicht war und die er jetzt Pfarrer Andreas Hirschberg übergibt.
Höhepunkt des Gottesdienstes war die Segnung von Wolfgang Plaga und seiner Frau Ingrid, bei der die ersten Tränen
vergossen wurden. Im Anschluss an eine kurze Keks- und Kaffeepause folgte die Rede von Superintendent Klaus Majoress für den
Kirchenkreis Lüdenscheid/Plettenberg, der in einem geschichtlichen Rückblick auf das Wirken von Wolfgang Plaga einging. "Am
Anfang wollte Wolfgang Plaga alle seine Gemeindemitglieder persönlich kennenlernen - das hat er geschafft", lachte Majoress.
Wolfgang Plaga habe in allen Generationen einen nachdrücklichen Eindruck hinterlassen.
"Er wollte alle persönlich kennenlernen - das hat er geschafft" Superintendent Klaus Majoress
Auch Pastor Hans Erlemeier weiß von diesen Spuren, die der Ortspfarrer mit den meisten Dienstjahren
mit seiner zuvorkommenden, freundlichen, fröhlichen Art und menschlichen Wärme hinterlassen hat. "Wir haben sie nicht gezählt,
die zahlreichen Gottesdienste, Unterrichtsstunden, Gemeindefahrten und persönlichen Gespräche." Als Pfarrer habe Wolfgang
Plaga in der Seelsorge mit den ihm anvertrauten Menschen mitgelebt, sich mitgefreut und mitgelitten. Als Geschenk überreichte
Hans Erlemeier einen Schutzengel, der Wolfgang Plaga und seine Familie nun auf allen neuen Wegen begleiten soll.
"Sie stehen hinter dem, was sie sagen und tun" Bürgermeister Klaus Müller
Bürgermeister Klaus Müller bedankte sich im Anschluss für die enge Zusammenarbeit, "die schon immer
zwischen Kirche und Politik besteht, denn der gemeinsame Nenner ist das Wohl der Mitmenschen". Mit großem Einsatz und einer
Fülle von Fähigkeiten habe Wolfgang Plaga die Vielzahl von Aufgaben gemeistert - letztlich auch durch die Unterstützung seiner
Frau Ingrid, der tosender Applaus zuteil wurde. "Sie stehen hinter dem, was sie sagen und tun", fasste es Klaus Müller zusammen
und überreichte Wolfgang Plaga ein Bild der Christuskirche.
Außerhalb von Plettenberg wurde Wolfgang Plaga besonders im Haus Nordhelle tätig, wo er praktisch und professionell in der
Verbandsvertretung, im Vorstand und schließlich als erster Vorsitzender agierte. Der pädagogische Leiter des Hauses Nordhelle,
Joachim Stöver, bedankte sich gestern für viele Gespräche, Ideen und eine langjährige Freundschaft.
Dass 29 Jahre Wirken und Predigen Eindruck hinterlassen haben, konnte auch Pfarrer Rainer Schulz nur bestätigen. Er errechnete,
dass allein die Predigttexte und Traueransprachen von Wolfgang Plaga etwa 29 Bücher mit je rund 600 Seiten ergeben würden.
"Es wird schwer sein, jemanden zu finden, der mehr über das Elsetal weiß als dieses wandelnde Lexikon", lachte Rainer Schulz.
Und trotzdem bat er die Gemeinde inständig, ihren ehemaligen Pfarrer in Ruhe zu lassen, wenigstens für ein Jahr, damit er
seinen Ruhestand genießen könne.
Was er mit diesem Ruhestand alles anfangen kann, dafür gebe ihm sein Freund und der langjährige Organist der Martin-Luther-Kirche,
Friedrich Gohmann, der selbst seit elf Jahren pensioniert ist, gerne einige Tipps. Er bedankte sich am Sonntagnachmittag für
die Freundschaft des "Beziehungsherstellers, Psychologen, Finanzexperten, Friedensstifters, Entertainers, Reiseleiters, Trösters
und was ein Pfarrer sonst noch ist". Als Prediger habe er stets das gelebt, was er verkündet habe, sonst wäre es nichts weiter
als Papier geblieben. "Ich wünsche mir, dass Du deine Neugierde behältst und jeden neuen Tag über Wunder staunen kannst",
ergänzte Friedrich Gohmann in seiner Ansprache und schloss Wolfgang Plaga anschließend fest in seine Arme.
"Es wird schwer sein, das wandelnde Elsetal-Lexikon zu ersetzen" Pfarrer Rainer Schulz
Nach einer weiteren kurzen Pause, in der es für die zahlreichen Gäste kleine Stärkungen gab, sprachen Gemeindemitglieder und
Freunde über ihre persönlichen Erlebnisse und die Arbeit mit Wolfgang Plaga. Gerhard Wolf zum Beispiel, ein langjähriger
Weggefährte, erinnerte sich an die schöne Zeit in der Gemeinde und mit dem "ganz privaten Wolfgang".
Süderländer Tageblatt vom 08.12.2008
