Liebe Gemeindeglieder der Martin-Luther-Kirche in Plettenberg,
zum 50ig jährigen Jubiläum der Martin-Luther-Kirche in Plettenberg grüße ich Sie im Namen des Ev. Kirchenkreises
Lüdenscheid-Plettenberg ganz herzlich und wünsche Ihnen für die Jubiläumsfeierlichkeiten ein segensreiches und gutes Miteinander.
Sie schauen auf die 50jährige Geschichte der Kirche und der Gemeinde zurück. Es war eine wechselvolle Geschichte.
In den Anfängen war sie gekennzeichnet vom Aufbruch der Nachkriegsgeneration, die neue Orientierung suchte. In den Jahren danach
hat sich eine lebendige Gemeinde entwickelt, die sich in Gottesdiensten, Gemeindegruppen, in der Arbeit mit Kindern und
Jugendlichen und in dem Bemühen, Gottes Wort Raum im Leben zu geben, zusammenfand. Heute erleben wir viele Veränderungen.
Sinkende Gemeindegliederzahlen und geringer werdende Ressourcen kennzeichnen heute den Weg unserer Kirche in die Zukunft.
In allen Veränderungen stellt sich Frage nach dem Wesen und dem Auftrag der Kirche Jesu Christi. Jesus sagt in dem Wort
der Jahreslosung, die uns durch das Jahr 2008 begleitet (Johannes 14,19): "Ich lebe, und ihr sollt auch leben." Kurz und präzise
ist dieses Wort, aber es birgt viel Nachdenkenswertes in sich. Jesus sagt es in den Worten der sogenannten Abschiedsreden des
Johannesevangeliums. Voraus geht die Ankündigung, dass die Menschen um ihn herum ihn noch eine kurze Zeit sehen werden, dann
aber werden sie ihn nicht mehr sehen. Er wird ihnen den Geist, den Tröster senden, verspricht er, der sie in aller Wahrheit leiten wird.
Dennoch: Für die Menschen, die ihm vertraut waren, war es unvorstellbar ohne ihn leben zu können. Sie hatten erlebt,
wie er ganz anders von Gott redete, als sie es gewohnt waren. Sie hatten gesehen, wie er auf Menschen zuging, von denen sonst
keiner mehr etwas wissen wollte. Und sie hatten durch überwältigende Wunder spüren können, dass ihn ihm eine Kraft steckte,
die alle menschlichen Grenzen überwand. Jetzt sollte er den Weg ans Kreuz gehen, sich ausliefern in die Hände seiner Feinde.
War das nicht das Ende aller Hoffnungen und Träume, Sehnsüchte und Wünsche?
Carl Amery erzählt in seinem Buch "Das Ende der Vorsehung" über die Jünger Jesu: "Das Fest ist vorüber, der Herr ihres
Lebens wurde getötet. Die Seinen aber bleiben zurück, ohne Statut, ohne weltlich brauchbares Recht, ja ohne eine weltlich
brauchbare Ethik.... Was die Gemeinde zunächst verbindet, ist ein Antlitz: das Antlitz und Andenken des Meisters. Es bleibt
ihnen Mahlgemeinschaft, Oster- und Pfingsterlebnis - und die Hoffnung auf den Tröster, der sie schon lehren wird, was sie in
dieser komplizierten Welt verstehen und lernen müssen."
Verstehen und lernen müssen, dass nicht alles in unseren Händen liegt, vertrauen, dass wir in unserer Begrenztheit nicht
alleine sind, das Leben gestalten, auch mit den Unwägbarkeiten, den Abbrüchen und Enttäuschungen - ob es nicht das ist, worauf
es ankommt, wenn wir als Kirche den Weg in die Zukunft gehen?
Jesus ermöglicht Leben, wo wir uns von seinem Geist ergreifen, anstecken lassen. Dem Geist des Gottvertrauens und der
Nächstenliebe. Einem Geist, der nicht auf bequeme Wege führt, der sich dem Denken entgegenstellt, das auf eigene Stärke und
Kraft baut. Einem Geist, der das Vertrauen auf die Kraft Gottes ermöglicht und damit ungeahnte Kräfte freisetzt.
Ich wünsche Ihnen in allen Veränderungen auf dem Weg in die Zukunft die Kraft dieses Geistes, der Zukunft verspricht und möglich macht.
Ihr Klaus Majoress, Superintendent